Tokyo


Gliederung

Einführung
Die Stadtviertel
Ankunft und Verkehr
Architektur
Das Leben hier
Hektik
Kneipe
japanisches Bad
Karaoke
japanisches Essen
    Was es sonst noch zu sehen gibt
Shopping / Downtown
Tempel und Schreine
Museen
Asakusa- Viertel
Hafen
Sprache
Kyoto und Kamakura
Berge




Einführung

Auch wenn Japan nicht aus Tokyo allein besteht, soll sich diese Seite vorwiegend mit der Hauptstadt Japans und seiner Umgebung beschäftigen; einfach deshalb, weil ich dort 7 Jahre (von 1999 bis 2006) gelebt habe. Wer mehr über Japan erfahren möchte, der mag sich vielleicht von meinen „Japan-Fotos“ inspirieren lassen ...

Tokyo war vermutlich bereits Mitte des 18. Jahrhunderts die weltgrößte Stadt, gemessen an der Einwohnerzahl. Um 1750 sollen hier bereits mehr als 1.5 Mio. Menschen gelebt. Tokyo ist keine typische japanische Stadt, dafür ist Tokyo zu groß und zu modern.

Dass Tokyo eine hübsche Stadt ist, in der man alte Architektur und Charme einer Metropole wie Paris oder New York findet, lässt sich auf den ersten Blick nicht behaupten. Und ein Tourist, der nur wenige Tage hier bleibt, wird vermutlich in diesem Gewühl von mehrstöckigen Autobahnen und Eisenbahngleisen nichts sonderlich Anmutendes finden können – wie ich anfangs.



Wer aber Zeit und Muße hat, die Nebenstraßen und kleine Gassen aufzusuchen, wo an jeder Tür Blumenkübel und die meisten Haustüren offen stehen, so dass man in die Wohnungen und Häuser hinein schauen kann, der wird neugierig und manchmal verzückt sein ob dieser vielen Kleinode inmitten einer Stadt mit 30 Mio. Einwohnern. Der findet eine Metropole voller Kontraste: Liebevolle alte kleine Holzhäuser im japanischen Stil mit gerundeten Dächern und blauen Dachziegeln, daneben internationale Großbanken im typischen Stahl-Glas-Hochhaus-Gewandt. Man entdeckt alte und neue Tempel neben Tankstellen und liebevoll gepflegten Grüns oder umgeben von Fast-Food Restaurants oder Teehäusern. Dann lernt man diese Stadt schätzen und lieben - und auch als Frau kann man überall in Tokyo nachts getrost alleine nach Hause gehen.


Die Stadtviertel

Tokyo teilt sich in viele Bezirke und noch mehr kleine Viertel auf, Straßennamen gibt es selten. Meist wird von Bezirk zu Bezirk und Viertel zu Viertel und schließlich nach Blocks nummeriert. Kaum ein Taxifahrer weiß da noch Bescheid. Man hält einfach an und fragt oder schaut sich um und zählt die Blocks und Häuser. Es gibt zwar 23 innere Bezirke („ku“) und weitere zum Verwaltungsbezirk gehörende Stadtteile (wie Mitaka, wo ich bei meinem yweiten Japanbesuch gewohnt habe, Tachikawa und Ome im Westen („shi“), selbst die Ogasawara-Inseln etwa 1000 km südlich von Tokyo gehören noch zur Stadtverwaltung, aber das war’s dann auch. Ansonsten ist alles klein parzelliert, ohne dass man als Ausländer dabei den Überblick behalten könnte. Nur der Polizist in jedem Viertel kennt sich wirklich aus und wenn er Streife fährt, dann bemerkt er sofort, ob jemand neues zugezogen ist!

Die interessantesten und belebtesten Viertel sind sicher das moderne Shinjuku mit den Hochhäusern, das Disco- und Kneipenviertel Shibuya - das an manchen Stellen an den New Yorker Times Square erinnern mag - und die Amüsiermeilen Akasaka und Roppongi.

Schließlich sind da noch weitere sehenswerte Ecken, wie die Ginza, die nicht nur eine Straße ist, sondern mehrere Straßen samt Blocks voller Kaufhäuser, Nobelrestaurants und Boutiquen beherbergt. Genannt sei auch Ueno mitsamt Zoo und Museumsviertel und dem schönen Park. Direkt dahinter befinden sich die bekannteste und bedeutendste Uni Japans (TODAI) und das Viertel Yanaka, welches das große Erdbeben von 1923 einigermaßen überstanden hat und daher einziger Zeuge einer Zeit ist, da Tokyo noch nicht so modern war. Asakusa am Fluss und das Einkaufsviertel Ikebukuro sind sicher auch noch zwei bekannte Stadtteile.

Zentrum Tokyos ist der Kaiserpalast, dessen großer Garten teilweise zugänglich ist und zum Joggen, Fotografieren und Verweilen einlädt.

Westlich befindet sich übrigens die Deutsche Industrie- und Handelskammer, wo ich 1999 vier Monate lang als Rechtsreferendar zu Gast war. Von dort hat man einen schönen Überblick. Südöstlich hinter der Ginza taucht bald auch schon der Hafen auf. Dass Tokyo am Meer liegt und einen Hafen hat, merkt auch nur derjenige, der vielleicht mal eine Fähre zu den südlich gelegenen Izu-Inseln genommen oder eine Hafenrundfahrt unternommen hat. Dabei ist die Gegend um den Hafen nicht häßlich. Ganz im Gegenteil, die aufgeschütteten Viertel bemühen sich sehr auch Anziehungspunkt von Ausflügen und Touristen zu werden. Aber dazu auch später mehr.


Ankunft und Verkehr

Die eigentliche Stadt Tokyo in ihrem Verwaltungsbezirk selbst hat etwa 12 Mio. Einwohner. Die nächste Stadt von der Größe Berlins - nämlich Yokohama - geht nahtlos in Tokyo über (der Vollständigkeit halber sei noch gesagt, dass Kawasaki mit etwa 800,000 Einwohnern, also etwas mehr als Frankfurt a.M. oder Essen im Ruhrgebiet eigentlich noch dazwischen liegt) und ist mit der Bahn in einer guten halben Stunde zu erreichen. Die meisten Vororte Tokyos sind Schlafstätten für die zahlreichen Pendler, die in Tokyo „downtown“ arbeiten. Insoweit ist die Bezeichnung als weltgrößte Stadt, gleich ob Mexico-City oder Kairo ein paar mehr Einwohner haben sollten oder nicht - durchaus gerechtfertigt.

Die Zahl von 30 Mio. Einwohnern (samt all dieser Vororte) ist für den, der erstmals japanischen Boden an genau diesem Ort betritt, durchaus abschreckend. Der internationale Flughafen Narita beispielsweise liegt beinahe eineinhalb Zugstunden von Shinjuku, dem heimlichen Stadtzentrum Tokyos entfernt. Der nationale Flughafen ist in etwa einer Stunde von Shinjuku zu erreichen - und noch größer als Narita. Die beiden weltweit meistgeflogenen Flugstrecken (nach Passagieren) noch vor beispielsweise N.Y.C. - London sind angeblich Innerjapanische !

Eine nicht uninteressante Art der Ein- oder Ausreise ist auch die Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn, die ich im Spätsommer 1999 unternommen habe. Man kann auch mit dem Schiff von oder nach Yokohama durch den Suez- Kanal an Indien und Singapur vorbei einreisen, was heutzutage zweifelsohne eher seltener wird. Interessierte sollten sich bei den großen Containerschiffahrtsgesellschaften erkundigen.

Die U-Bahnkarte von London wirkt geradezu niedlich gegen all die Linien und Einzelgesellschaften, die Tokyo zu bieten hat; es gibt selten mal einen Plan, auf dem alle staatlichen und privaten S- und U-Bahnlinine verzeichnet sind (nebst der einzig verbliebenen echten Straßenbahn an der Waseda-Uni; allerdings gibt es auch noch eine weitere quasi Straßenbahn im Setagaya-ku). Die Autobahnen finden teilweise 4-spurig und dabei in drei Etagen übereinander ihren Weg quer durch die Hochhäuserschluchten. Eine echte markante Skyline hat Tokyo (noch) nicht, wohl einige Wolkenkratzer in Shinjuku, Akasaka und momentan wird in Shinbashi und Umgebung erheblich in die Höhe gebaut, aber dafür, dass man daraus eine Skyline wieder entdecken könnte, dafür ist die Stadt auch flächenmäßig zu groß.

Wer einen Blick vom Tokyo Tower (ein dem Eiffelturm nachgebauter Funkturm mit etwa 350 Meter Höhe, gerade kürzlich vollständig überholt und neu gestrichen) oder vom öffentlich und kostenlos zugänglichen Rathaus in Shinjuku (etwa 245 Meter) wirft, entdeckt zwar zahlreiche hohe Häuser. Aber diese verteilen sich recht wahllos über die riesige Fläche der gesamten Stadt und teilweise auch bis in die letzten Vororte. Man hat aber bei gutem Wetter eine Sicht bis Yokohama oder zum Berg Fuji (ca. 3,800 Meter und etwa 100 km südwestlich von Tokyo).


Architektur

Ein Blick vom Rathaus ist aber deswegen lohnenswert, weil hier moderne Architektur - jedenfalls teilweise - in japanischem Stil zelebriert wurde. Das Äußere des Rathauses erinnert an japanische Tatmi-Matten (Reisstroh, auf denen in älteren Wohnungen, wie auch bei mir daheim, geschlafen wird) oder vielleicht an die schiebbaren Zwischenwände der Wohnhäuser. Im Inneren gleicht die Ausstattung und Architektur einem riesigen Mikrochip. Man hat den Eindruck inmitten eines großen Rechners zu stehen. Der gesamte Rathauskomplex besteht aber nicht nur aus dem Hauptgebäude mit den beiden begehbaren Türmen, sondern aus einem riesigen Netzwerk von Fußgängerwegen zu einem weiteren daneben befindlichen Hochhaus, aus diversen Autostraßen und einem wirklich geglückten futuristischen Platz vor diesem ganzen Ensemble. Schließlich sollen dort mehr als 50.000 Menschen arbeiten.



Überhaupt hat man den Eindruck, hier würde gebaut, wie es einem gerade in den Sinn paßt. Wohnhäuser halten teilweise nicht mal einen halben Meter Abstand voneinander, was in Deutschland (man bedenke alleine unsere Bauordnungen) unvorstellbar ist. Neben Häusern aus Beton, denen man ansieht, daß sie architektonisch den 60er oder 70er Jahren entspringen, stehen einfache, alte Holzhäuser; mitunter tauchen auch neue Konsumtempel aus Stahl und Glas auf. Auf jeden Fall ist dieses architektonische Durcheinander verwirrend, teilweise aber auch sehr interessant und in jedem Fall sehenswert.


Das Leben hier
- Hektik -

Neben dem Autoverkehr machen auch zahlreiche Spielhöllen, in denen Japaner liebend gern ihre Freizeit und ihren Feierabend verbringen, sowie lautstarke Werbungen von Einzelkaufleuten und Kaufhäusern via Megafon unnötig viel Lärm für unser Verständnis.

In Japan aber ist dies ein Zeichen dafür, daß sich hier etwas tut, hier Bewegung ist, hier sich um Kundschaft bemüht wird, hier die Wirtschaft brummt. In all diesem Getümmel und dem Lärm stehen Leute, die in ihr Handy sprechen oder sich durch eigene Musik aus dem MD-Player oder Walkman (oder MP3) beschallen lassen. Ruhe würde hier nur Stillstand bedeuten und so rennt ein jeder, gleich ob nach Feierabend oder auf dem Weg zur Arbeit auch ziemlich schnell die Straßen entlang. Manchmal sind einem dann aber auch die Japaner morgens auf dem Weg zur Arbeit schon wieder „zu langsam“ und bei den Menschenmassen steht zwangsläufig immer einer (und das gerade derjenige, der vor einem selbst geht) „im Weg“ ...


- Kneipe -

Nach der Arbeit geht man gewöhnlich mit den Arbeitskollegen noch etwas essen und auch ein paar Bierchen trinken. Bis kurz vor Mitternacht hat man das Lokal verlassen, da dann die letzten Züge in die Vororte fahren. Der Lärm legt sich, und die ganze Stadt geht schlafen. Auch Kneipen haben selten länger geöffnet und wenn, sind es eher Disco-Bars oder (abgesehen von einigen in Shibuza und Roppongi) Kneipen in den Vororten, wo keiner mehr mit der Bahn nach Hause muß. So haben wir das übrigens auch oft gehalten und sind entweder gegen 24.00 Uhr nach Hause gefahren oder haben uns anfangs in unserer Stammkneipe im Örtchen Mitaka (immerhin auch noch 160.000 Einwohner) vergnügt.

Jetzt wohne ich in Iidabashi relativ zentral, so dass ich mir abends auch mal ein Taxi leisten kann, wenn es sehr spät wird; als ich noch in Tachikawa wohnte, kostete eine Fahrt nach Hause abends mit dem Taxi etwa 150 Euro ...


- japanisches Bad -

Ab und zu gehe ich auch ins Sento. Das ist ein öffentliches japanisches Bad. Man wäscht sich vor dem eigentlichen Bad ordentlich ab und zwar mit Seife und Shampoo, damit jeder sehen kann, wie es schäumt und dass man sauber wird. Dann spült man sich sorgfältig ab, gleich ob kalt oder warm und erst anschließend geht man ins Bad. Das Bad ist um die 40 Grad Celsius heiß und dient der Entspannung. Man hält es kaum fünf Minuten dort aus, besonders, wenn es eher 50 als 40 Grad sind. Es gibt verschiedene Abstufungen was Temperatur und Wasserqualität betrifft. Außerdem gibt es auch natürliche Quellen (Onsen) mit oft mineralhaltigem Wasser, oder Becken draußen in freier Natur (Rotenburo); ich finde das einfach nur herrlich entspannend.

Schließlich sollte auch ein kaltes Becken zur Abkühlung vorhanden sein, ansonsten muss man sich mit einer kalten Dusche oder einem Kübel kalten Wassers begnügen. Gerade während der Sommermonate, wo jeder gespannt aufs Thermometer schaut, ob die 40 Grad- Marke wohl noch übersprungen wird und eine hohe Luftfeuchtigkeit (um die 90%) herrscht, ist dies beinahe notwendig, um abends mal den Schweiß des Tages loszuwerden. Denn gerade im Juli / August ist es unerträglich. Es ist so feucht, dass mir im ersten Jahr sogar ein paar Lederschuhe durchgeschimmelt ist; mittlerweile haben wir in jedem Zimmer allerdings eine vernünftige Klimaanlage.


- Karaoke -

Sehr beliebt sind auch (nicht nur bei Japanern) Karaoke-Bars. Dort sitzt man in einem kleinen Raum, hat zwei Mikrofone und kann sich hunderte von Liedern aussuchen (oft japanische; als Dauerbrenner hält sich allerdings „99 Luftballons“ und „Dschinghis Khan“) und gröhlt dann nach Herzenslust. Natürlich gibt es auch einige Lieder von englisch-sprachigen Bands, wie Aerosmith, Simon und Garfunkel, Police oder Oasis. Anders als in großen Hotels in Japan passen in Karaoke-Bars normalerweise nur etwa 4-8 Leute in einen Raum - und muss dann auch selbst singen und kann nicht einfach nur zuhören; macht zugegebenermaßen auch tierisch Spaß.

In bestimmten Hotels, die auch Karaoke-Bars betreiben, kann man sich dann und wann schon mal anschauen, was andere beim Singen so „verbrechen“. Aber in den kleinen Karaoke Bars muss man - wie gesagt - schon selbst singen. Dabei unterschätzt man schnell, dass man das Lied doch nicht so gut kennt, wie es sich vom Titel her liest. Auch wenn der Text auf einem Bildschirm abläuft, während im Hintergrund ein vollkommen unpassendes kitschiges Video mit meist Händchen-haltenden japanischen Paaren abläuft (daran erkennt man eben, dass auch oft Pärchen in solche Bars gehen - wobei man(n) dann die Frau seiner Träume entweder begeistern oder sich vollends blamieren kann), sollte man die Melodie schon können. Aber nach ein paar Bier ist eigentlich uninteressant, ob man auch die Töne wirklich trifft.


- japanisches Essen -

Nicht unterschlagen will ich natürlich das japanische Essen. Es würde aber jedes Format hier sprengen, alle "typisch japanischen Speisen" aufzulisten. Statt dessen möchte ich lieber etwas über Sushi erzählen. Allseits auch in Deutschland bekannt, ist dies in Japan eine der einfachsten Möglichkeiten, typisch Japanisch zu essen.



Die sog. "Kaiten sushi-ya" sind Restaurants, an denen man sich um eine Bar setzt und die auf einem Band vor sich herfahrenden Sushi-Teller einfach herunter nimmt und am Ende alles je nach Tellerfarbe bezahlt. Dafür muss man also weder japanisch sprechen können, noch irgendwelche Sushi-Arten kennen. Man sieht was kommt, schaut, ob es einem zusagt und nimmt sich den Teller. Wenn man bezahlen möchte, steht man in Japan einfach auf, die Kasse ist meistens besetzt und befindet sich in der Regel am Ausgang eines jeden Restaurants.

Grünen Tee sollte es beim Sushi zudem umsonst geben. Bier kann man natürlich auch bestellen. Wer mit rohem Fisch auf Reis nicht so ganz vertraut ist, wird am Anfang vielleicht auch das ein oder andere Bier mehr benötigen.

Es gibt in Tokyo über 80.000 Restaurants (zum Vergleich: London hat ca. 8.000; New York etwa 15.000). Hier findet man also alles, was das Herz begehrt. Natürlich sind zahlreiche italienische, französische, spanische und mexikanische, sowie einige deutschen Restaurants (vor allem in Shinjuku, Akasaka, Roppongi) zu finden. Aber wer möchte schon in Japan Sauerkraut mit Bratwurst essen und dabei von einer Japanerin im Dirndl bedient werden, wenn man gerade froh ist, solche Dinge hinter sich gelassen zu haben ? Obwohl Deutsches Essen nicht unbedingt schlecht sein muss; ganz ordentlich, wenn auch nicht ganz billig schmeckt es z.B. in Bernd’s Bar in Roppongi und wer länger in Japan lebt, sehnt sich vielleicht irgendwann auch wieder nach Bratkartoffeln, Sauerkraut und Leberkäse mit Spiegelei ...

Amerikanisches Fast-food findet man ebenso, auch Restaurantketten wie T.G.I.F. (Thanks God ist Friday's) und aus allen Ecken riecht es nach japanischem Essen, oft nach Suppe und fritiertem Fisch. Sehr gut sind oft auch andere asiatische Restaurants, wie die zahlreichen Indischen Curry-Häuser, Koreanische BBQ (also Grill-Schuppen) und chinesische Restaurants.

Japanisch essen zu gehen ist auch meist nicht sehr schwer. Viele Restaurants haben die jeweils geführten Speisen mittels Plastik-Attrappen vor dem Eingang ausgestellt. Entweder merkt man sich den Namen oder die Menü-Zahl, oder man geht einfach mit der Bedienung vor die Tür und zeigt auf das entsprechende Essen, das man gerne haben möchte. Beim Schlürfen der Ra(h)men, einer chinesischen Nudelsuppe – laut Umfrage im Jahr 2001 ist die Instant-Ramen für Japaner die größte Erfindung der Menschheit, noch vor dem Kühlschrank – muss der ein oder andere Ausländer anfangs von gewohnten Tischsitten aus Europa schon mal Abstriche machen ...

In manchen Restaurants, speziell in größeren Ketten werden auch Speisekarten mit Bildern angeboten, damit auch der Durchschnittstourist mit relativ wenig Sprachkenntnissen nicht verhungern muß - so wie ich anfangs :-).


Was es sonst noch zu sehen gibt
- Shopping / Downtown -

Mittelpunkt der Stadt ist natürlich der Kaiserpalast, der aber von einer Mauer und einem Wassergraben umgeben ist. Da man auch nur einen kleinen Park des gesamten Areals sehen kann, bleibt das Meiste dieser zentralen und großartigen Anlage im Verborgenen.

Östlich des Kaiserpalastes befindet sich die Ginza. Dies sind die teuersten Quadratmeter Land dieses Planeten (gewesen). Der Quadratmeter hat zeitweise deutlich über 10.000,- Euro gekostet und das gesamte Gelände, auf dem der Mitsubishi Konzern in der Nähe der Ginza seine Verwaltung (und Zentralen für fast alle zur Mitsubishi-Gruppe gehörenden Tochterunternehmen) errichtet hat, und dies soll einst - auf dem Papier jedenfalls - mehr wert gewesen sein als (alles Land in) Kalifornien. Dass dies nicht der Realität entsprach und das System zusammenbrach ist bekannt – viele Banken hatten Darlehen nur gegen Sicherheit von Grundstücken angeboten, doch bei den künstlich überhöhten Grundstückspreisen während der „Seifenblasen-Wirtschaftszeit“ war es ein Leichtes, entsprechende Sicherheiten anzubieten. Unter den Folgen des Zusammenbruchs leiden insbesondere die Banken in Japan immer noch.

Trotzdem ist die Ginza auch heute noch ein teures, exquisites Pflaster. Modeboutiquen, Kaufhäuser, teure Restaurants; abgesehen von der vielen Werbung unterscheidet sich Tokyo hier nicht so sehr von der 5th Avenue in New York, den Champs Elysee in Paris oder dem Kurfürstendamm in Berlin.

Hier findet man alle großen Modemarken aus Italien, die überall ansässigen Filialen diverser amerikanischer Fast-Food Ketten. Aber das Interessante sind doch die Kaufhäuser. Die Nahrungsmittelabteilung ist immer gigantisch. Neben französischem Käse, italienischem Schinken, deutschem Bier und Leipziger Allerlei findet man vor allem Fisch und japanische Süss-Speisen. Japaner lieben Meeresfrüchte und demnach sind auch die entsprechenden Abteilungen der Kaufhäuser nicht nur voller Fischen, sondern gefüllt mit Muscheln, Krabben, Algen usw. Außerdem gibt es selbstverständlich Reis in allerlei Variationen, auch kalt oder zu Reis-Krackern verarbeitet.

Bemerkenswert sind noch die Kimono- Abteilungen, in denen man auch die kleinere und preiswertere Version Yukata finden kann. Die Farbenpracht ist ebenso unbeschreiblich wie die Fülle des Stoffes - Mann erahnt, was eine Japanerin da mit sich herumschleppt. Und der Preis? Gute Kimono gibt es ab etwa 3.000,- Euro aufwärts!


- Tempel und Schreine -

Eines der meist besichtigten Wahrzeichen Tokyos ist der Meiji- Schrein im Westen des Kaiserpalastes in der Nähe von Shinjuku. Zu Ehren des (sog.) Kaisers Meiji wurde diese Anlage erbaut und ist auch heute noch bewundernswert. Nicht so sehr wegen des Alters – denn Meiji ist noch nicht allzu lange tot –, sondern wegen seiner Größe und Lage. Inmitten eines dicht bewachsenen Waldes wurde steht dieser Schrein, in dessen Vor- und Zwischenhöfen sich am Wochenende Hochzeitspaare fotografieren lassen. Oft wird dies ohnehin mit einer Hochzeit im Meiji- Schrein einher gehen.

(Buddhistische) Tempel oder (Shinto-) Schreine gibt es eigentlich in jedem Stadtteil. Und wenn man sich etwas Zeit nimmt, dann findet man auch jede Menge davon und auch in richtig traditionellem alten Stil (also nicht aus Beton). Wer Zeit hat, sollte beispielsweise mal nach Yanaka im Nordosten fahren und am besten die Strecke von Nippori bis zum Ueno-Zoo zu Fuss ablaufen. Gerade um den Bahnhof Nishi-Nippori herum – vom großen Erdbeben, zweiten Weltkrieg, Feuer und Bauwut der 60-er und 70-er Jahre verschont – gibt es noch sehr viele alte Tempel, Schreine, alte Holzhäuser und urige Geschäfte, wie auch einige schöne japanische Gärten, Parks oder alte Friedhöfe zu sehen. Wer es also weder bis Kyoto (etwa 500 km von Tokyo entfernt) schaffen und auch nicht unbedingt bis Kamakura südliche von Yokohama kommen sollte (was aber auch mindestens einen Tagesausflug wert ist), kann ein wenig von der traditionellen Seite Japans durchaus noch hier in Tokyo selber finden.


- Museen -

Außerdem gibt es noch einige Museen, die versuchen, dieses schöne traditionelle Japan (das man oft aus Büchern und alten Samurai-Filmen entnimmt) zu vermitteln. So z.B. das Tokyo-Edo Museum in der Nähe der großen Sumo-Ringer-Halle südlich von Asakusa und östlich von Tokyo Station. Hier ist das alte Tokyo in Miniatur nachgebaut, einzelne Häuser auch im Maßstab 1 : 1. Leider ist nicht alles durchwegs auch auf Englisch erklärt. Trotzdem sehr sehenswert, allein schon wegen der gelungenen Architektur des Museums (gewissermaßen freischwebend).

Einen schönen Eindruck kann man auch beim Besuch des Edo-Fukagawa Museums erhalten. Ein paar Hundert Meter südlich des Tokyo-Edo Museums entlang der Oedo-U-Bahn-Linie wird durch ein zu öffnendes Dach eine Mischung aus Freilicht-Charakter und typischem Museum geboten. Dort sind ebenfalls viele alte Häuser aus der Edo (also „alt-Tokyo“ Zeit) beherbergt.

Interessant ist vor allem wegen der vielen Einzelstücke, wenngleich diese auch etwas wahllos durch alle Stile und Epochen gehen, auch das Bridgestone-Museum. Der Japaner mit Namen "Steinbrücke" hat viel Geld in Mumien, römische und griechische Statuen, Bilder von Picasso, van Gogh, Monet und alles mögliche ausgegeben, Skulpturen von Moore gekauft; halt alles, was westlich war und einen Namen hatte.

Sehenswert ist vielleicht auch das Bonsai-Museum in Ichigaya, selbstverständlich die vielen Nationalmuseen in Ueno (Kunst etc.), das Fotomuseum in Ebisu und und und ... man muss sich nur das Passende suchen, aber hier in Tokyo bleibt eigentlich kein Wunsch offen. Es gibt auch ein Ramen- und ein Biermuseum, also einfach alles.


- Asakusa- Viertel -

In Asakusa am Fluss im Nordosten Tokyos „Innenstadt“ steht die vielleicht interessanteste Tempelanlage Tokyos mit kleinen Gassen drum herum und natürlich etlichen Touristen. Hier findet städtischen Leben in gemütlicher Atmosphäre statt. Es geht mitunter hektisch zu, aber doch herzlich und traditionell. Überall sind Restaurants und "Bettelmönche" auf der Straße. Man sieht Touristen mit Foto- und Filmkameras. Etliche Tauben fliegen umher und irgendwo stehen auch Japaner in diesem Gewühl und versuchen in-sich-versunken zu beten. Die ganze Tempelanlage ist großartig angelegt, mit Zugängen aus allen Himmelsrichtungen, die durch große Tore führen, an zahlreichen Souvenir- und Kleinkunstsläden vorbei, die wie alte Handwerksstände offen gestaltet und alle rot bemalt sind. Eine schöne Pagode am Ende dieser Zugänge bildet besonders abends beim Sonnenuntergang einen grandiosen Blickfang.

Hier findet im Mai eines der wichtigsten und buntesten Feste Tokyos statt. Ein Tempelfest, sog. Matsuri. Dann ist auf den Straßen wirklich der Bär los! Im April gibt es dort traditionelles Bogenschießen, teilweise auch vom gerittenen Pferd aus, auch ein absoluter Höhepunkt ! Im Sommer finden an diesem Fluss (Sumidagawa), dessen Ufer auch einige Obdachlose beherbergt, die seinerzeit aus Shinjuku „vertrieben“ wurden, große Feuerwerke statt. Das ganze Viertel ist dadurch hell erleuchtet und auf den Straßen ist mal wieder kein Durchkommen möglich.


- Hafen -

Auf der von der Innenseite Tokyos gesehen gegenüberliegenden Hafenseite sind zahlreiche futuristische Gebäude hochgezogen, die Museen, Spielkasinos, Einkaufstempel, Restaurants und Hotels beinhalten. Via Mono-Rail vom südlichen Ende der Ginza zu erreichen, wird Japan gerade hier seinem Ruf gerecht, ein modernes Land zu sein. Besonders hier zeigt sich auf aufgeschüttetem Land der Erfindergeist der Japaner – und die vollkommene Erschließung dieser Hafenseite wird sicher mindestens noch weitere 15 Jahre verschlingen.



An den großen Ausfallstraßen perfekt gelegen, mit riesigen Parkplätzen versehen, versucht man dort, dem aufkommenden Bedürfnis von "Freizeit-Unterhaltung" Rechnung zu tragen. Weiter südöstlich hat man schon vor Jahren am Hafenbecken vorgemacht, wie man Flächen am Wasser gewinnbringend nutzen kann. Dort steht seit den 70er Jahren nämlich das Tokyo-Disneyland. Eine Kopie des amerikanischen Originals, das aber den Reinheits- und Putzfimmel der Amerikaner bei weitem noch übertrifft. Hier kann man seinen Burger - sofern man denn kein typisch japanisches Essen zu sich nimmt - auch vom Asphalt der Mainstreet essen. So ordentlich wie die meisten Straßen Tokyos aussehen (obwohl die Papierkörbe seit dem Giftgas-Attentat der AUM- Sekte überall reduziert wurden, besonders in den U- Bahnhöfen, um weiteren Attentaten vorzubeugen), so gibt man sich auch hier Mühe, ein sauberes Bild von Japan abzugeben. Mittlerweile ist das Disneyland (das es ja auch in L.A., Orlando, Paris und bald in HongKong gibt) wegen des großen Erfolges um einen weiteren Themenpark „Disney-Sea“ erweitert worden.


- Sprache -

Japanisch setzt sich aus zwei Silbensystemen (Hiragana und Katakana) zusammen, die eine Art Alphabet darstellen. Dazu kommen aber einige tausend Schriftzeichen „Kanji“, welche aus dem Chinesischen übernommen (und teils vereinfacht) wurden. In Japan haben sie zwar oft eine andere Lesung, weshalb nicht alle Japaner Chinesisch sprechen, aber doch ist die Bedeutung im Wesentlichen die gleiche. Die Silben sind hierfür also quasi die Lautschrift und nur wenige Begriffe haben gar kein Kanji und lassen sich nur mit Hiragana ausdrücken. Katakana wird oft zur Betonung oder für Fremdwörter eingesetzt, entspricht von der Aussprache aber eben Hiragana. Ohne also Chinesisch gelernt zu haben, können Japaner im Prinzip Chinesisch lesen und verstehen dabei in etwa, was dieser oder jener Satz zu bedeuten haben.

Jedenfalls war es nicht nur für mich anfangs schon aufwendig genug, die aus über 70 kleinen Zeichen bestehenden Silbenalphabete zu lernen. Damit hat man zwar sprachlich die Möglichkeit, alles andere in Japan auszusprechen und auch die Kanji (also die quasi chinesischen Zeichen) zu umschreiben, aber wenn man die Kanji nicht lesen kann, dann wird es eben schwierig.


- Ausflüge : Kyoto und Kamakura -

Wie schon erwähnt, sollte man auf jeden Fall auch das "alte" Japan zu entdecken versuchen, z.B. in Kyoto. Hier findet man richtig alte Kopfsteinpflaster-Straßen, noch ältere Häuser und mehr Tempelanlagen, als man in ein, zwei Wochen wirklich sehen kann. Hier gibt es natürlich auch hervorragende Restaurants (japanische Küche). Da die Stadt nicht so groß wie Tokyo ist (1,5 Mio Einwohner), dafür aber alte und damit schmale Straßen hat, meint man, das Gewühle sei hier eher noch größer, als in Tokyo. Hinzu kommen natürlich zahlreiche Touristen, denn halb Kyoto gehört zum Weltkulturerbe oder steht unter Denkmalschutz. Ich war mittlerweile vier mal dort und finde, dass Kyoto zu jeder Jahreszeit und immer wieder eine Reise wert ist. Mit dem japanischen Schnellzug Shinkansen kann man in gut zwei Stunden von Tokyo aus nach Kyoto gelangen, so dass selbst für denjenigen, der keine Übernachtung dort einplant, ein Tagesausflug durchaus von Tokyo zu schaffen ist.

Kyoto war lange Zeit Hauptstadt Japans. Aus dieser Zeit stammen viele Tempel u.ä.. Es gibt auch ein Schloss und die ganze Stadt wird umringt von grünen Hügeln. Besonders in Kyoto trifft man auch "Geishas" (oder Maikos, wie die Jüngeren heißen), jene bekannten Damen in japanischen Gewändern, mit weiß geschminktem Gesicht und in Holzschuhen, die Gäste bewirten. Bekannt sein dürfte ja auch die japanische Teezeremonie, die durch Rituale und lange Dauer geprägt ist. Aber die Wenigsten haben etwas mit sog. Amüsierdamen, wie man manchmal hören mag, zu tun.

Wer es nicht nach Kyoto schafft, sollte sich überlegen, mit dem Zug die preiswerte und gerade mal einstündige Fahrt nach Kamakura zu unternehmen. Kamakura war auch mal Kaiserstadt. Die Stadt ist viel kleiner und damit übersichtlicher und da unweit von Tokyo gelegen, bequem zu erreichen. Neben Tempeln und Schreinen, einer riesigen sitzenden Buddha Statue und zahlreichen japanischen Gärten, sind vor allem die schönen alten Geschäfte sehenswert. Denn heutzutage ist Kamakura bekannt als Künstlerort und seine Lage direkt am Meer macht es auch als Naherholungsgebiet für Tokyaner attraktiv, so dass man auch entsprechend auf Touristen und Wochenendreisende eingestellt ist. Wer Zeit hat, sollte ich überlegen, in Kita (Nord) Kamakura bereits auszusteigen und die dort weniger überlaufenen Tempelanlagen anzuschauen, und von dort zu Fuss (entweder entlang der Hauptstrasse, oder über die Berge zum besagten sitzenden Buddha) nach Kamakura zu laufen.




- Berge -

Da Japan nur zu einem Drittel bewohnbar ist und der übrige Teil des Landes vorwiegend aus Bergen besteht, sollte man auch den schönen Naturraum bedenken und nicht nur Kultur und Städte mitnehmen, sondern ernsthaft mal übers Wandern nachdenken. Bekannt ist der Mt. Fuji. Mit 3,770 Metern ist er der höchste Berg Japans, der vielleicht heiligste ebenfalls. Es gibt auch in der Tokyoter Umgebung zahlreiche Berge, wie etwa Mitake-san (mit einem niedlichen Bergdorf) oder Mt. Takao, den man nach gut ein-stündiger Fahrt mit der JR Chuo-Linie (eine Art S-Bahn-Hauptverbindung) erreicht.

Wer aber schon mal in Japan war oder etwas darüber gehört hat, kennt vielleicht auch Nikko. Dieses Kleinod, fast zwei Stunden nördlich von Tokyo in den Bergen gelegen, ist vor allem die Grabstätte des letzten Shogun (Tokugawa Ieyasu). Diese Anlage ist sicher die prunkvollste - und riesig dazu. Dort gibt es auch die berühmte Holzschnitzerei mit den drei Affen zu sehen: Nichts Böses hören, sehen oder sagen. Kennt man aus zahlreichen Karikaturen ...

Was aber Nikko besonders ausmacht, ist seine Lage in den Bergen. Bis zu 2500 Meter sind sie hoch. Dazwischen liegen verschieden Hochplateaus. Wandern kann man also in die Berge oder entlang dieser Hochebenen, durch Wälder, Moore und Wiesen. Es gibt mehrere Seen und riesige Wasserfälle und wer Japan nur über Tokyo und andere Großstädte kennt, lernt hier eine ganz andere Seite dieses Landes kennen: Stille und atemberaubende Natur.

Natürlich kann man zum alpinen Wandern auch in die Japanischen Westalpen fahren (Region um Nagano, spätestens bekannt seit den Winterspielen 1998), aber das würde den Rahmen dieser Seite nun wirklich sprengen ...