Axel Conrad
DIE BESTEUERUNG DES INTERNETS

III. TECHNISCHER HINTERGRUND

- Der Handel im und über das Internet -

In diesem Kapitel wird als Grundlage für die rechtliche Würdigung die Funktionsweise des Internets und der Ablauf eines darin stattfindenden Geschäftes beschrieben.

   
1. Das Internet – was ist dort zu besteuern?
   1.1 Technische Struktur
   1.2 Versendung von Daten innerhalb des Netzes
      a) Sprache des Netzes: TCP/IP
      b) Eindeutige Adresse
      c) Domain-Namen
      d) Der Weg der Daten
      e) Pakete
      f) Ergebnis: Fehlende Kontrolle des Datenstromes
   1.3 Internet-Dienste
      a) Denkbare Angebote (Inhalte)
      b) "Server" und "Anbieter"
      c) Einwahl
      d) Contentprovider

2. Webshop
   2.1 Definition
   2.2 Funktionsweise eines Webshops
   2.3 Mirror-Server

3. Zusammenfassung


1.

Das Netz besteht aus verschiedenen Ebenen:

  • Der dem Netz zugrundeliegenden technischen Struktur,

  • den verschiedenen technischen Diensten und schließlich

  • den Inhalten.

1.1

Auf der untersten Ebene ist das Internet nichts anderes als ein weltumspannender [Abgesehen von China, die ein eigenes Netz aufgebaut haben, vgl. http:// www.house.gov/ cox.nettax/Web-global.html. Aufgrund der Globalität ist eine Regierung des Netzes durch nur einen Staat unmöglich.] Verbund (Netzwerk) aus zahllosen Rechnern. [Ähnlich Gringras, Laws of the Internet, S. 2. Eine detaillierte Definition des Begriffes findet sich im US-Internet Tax Freedom Act (HR 4105) unter s. 155(6), vgl. zur dt. Übersetzung Tröndle, K&R 1999, S. 71 (72); Hickey, e-commerce, S. 9, weist zu recht drauf hin, dass keine allgemeingültige Definition existiert, da er sich wegen der fortwährenden Veränderung das Medium nicht abschließend definieren lässt. Er spricht insofern nur von einem globalen Netzwerk von Netzwerken, S. 207.]

Nicht nur wegen der weltumspannenden Natur, sondern auch wegen der dezentralisierten Architektur lassen sich die im Internet stattfindenden Geschäfte nur schwer kontrollieren und dadurch einer Besteuerung unterwerfen. [Dezentralisiert heißt, dass jeweils zwei Rechner ein eigenes Netz repräsentieren. Um dieses Netzwerk zu lahm zu legen, müsste man alle Computer oder die Verbindungen zwischen ihnen zerstören. Diese Struktur macht im Hinblick auf den Ursprung des Netzes Sinn: Während des kalten Krieges beschloss das Pentagon den Bau des sogenannten (D)APRANET ((Defense) Advanced Research Project Agengy), vgl. Gringras, Laws of the Internet, S. 2. Das Netzwerk sollte (hauptsächlich) militärische Anlagen in der Weise verbinden, dass im Falle der Zerstörung eines Teils des Netzwerkes die Kommunikation im Restnetzwerk nicht zusammenbricht. Schritt für Schritt entwickelte sich daraus das Internet. Zunächst schlossen sich akademische Institutionen wie etwa Universitäten und Forschungslabore an. Als die Möglichkeiten des Netzes und seiner Dienste erkannten wurden, entwickelte sich das heute bekannte Informationsmedium. Ausführlich zur Entstehungsgeschichte des Internets: http:// www.pbs.org/ internet/timelime/timeline-txt.html und http:// www.koeln-digital.de/ kurs/internet/historie.htm.]

1.2

Um in dieser Netzwerk-Welt Informationen (Daten) auszutauschen, benötigt man zweierlei: eine Sprache, in der diese Rechner kommunizieren können, die Adressen der kommunizierenden Rechner.

Die Rechner kommunizieren miteinander über das sog. TCP/IP-Protokoll.

Jeder Rechner hat eine eigene Adresse, die sogenannte IP-Nummer. [Eine IP-Nummer wird durch vier durch Punkte verbundene Zahlen aus dem Bereich von 0 bis 255 ausgedrückt. Jede Nummer hat entsprechend eine Länge von 32 Bit, so dass maximal 2^32 = 4.294.967.296 Computer adressiert werden können. Eine Erhöhung der Länge auf 128 Bit (IPng) ist derzeit im Gespräch. Anzumerken ist, dass für das Versenden von Daten grundsätzlich die IP-Nummer ausreicht. Um sich aber sog. Webseiten anzusehen, benötigt man neben der IP-Nummer auch den Namen des betreffenden Verzeichnisses und den Dateinamen der Webseite. Alles zusammen wird als Uniform Resource Locator (URL) bezeichnet.] Aus dieser Nummer lässt sich nicht der Ort, jedoch - grundsätzlich - das Land herleiten, an dem der Rechner steht. [Es ist möglich, einen Computer mit einer "falschen" Länderkennung zu versehen. Die IP-Nummern werden bei der Einwahl von dem Zugangsprovider vergeben, der eine bestimmte Anzahl von IP-Nummer vorrätig hält. Wählt man sich in das Netz über T-Online ein, so erhält man eine "deutsche" IP-Nummer. Man kann sich aber auch aus der Schweiz oder Polen über T-Online in das Internet einwählen und erhält, obwohl der Rechner nicht in Deutschland steht, eine "deutsche" Adresse. Eine Einwahl über T-Online ist über einen Trick weltweit zum Ortstarif möglich.]

Um den Umgang mit den IP-Nummern zu vereinfachen, kann man IP-Nummern einen oder mehrere Namen ("Domain"-Namen) [Beispiel: Dem Domain-Namen "www.axel-conrad.de" ist die IP-Nummer 195.20.225.2 zugeordnet. Die Domain ist nicht die Adresse, sondern nur der Name der Adresse. Daher unrichtig bei Wiater/Bosch, IStR 1998, S. 757 (758). Bei der Verwendung des Domain-Namens wird die zugehörige IP-Nummer automatisch bei einem speziellen Rechner ("Name-Server") erfragt.] zuzuordnen. [Einem Domain-Namen können auch mehrere IP-Nummern zugeordnet werden. Name-Server können nämlich so konfiguriert werden, dass sie nach dem DNS-Round-Robin-Prinzip bei jeder Anfrage eine von mehreren möglichen IP-Nummer zurückgeben. (Round-Robin ist das amerikanische Äquivalent zur "Reise nach Jerusalem"). ] Der Domainname besteht in der Regel aus einer Zeichenkette und - davon durch einen Punkt abgetrennt - einer Kennung, die als "Top-Level-Domain" bezeichnet wird. Es gibt verschiedene Top-Level-Domains, wie etwa "net". [Weitere Top-Level-Domains sind "mil" für US-militärisch, "gov" für US-Regierungseinrichtungen, "edu" für Bildungseinrichtungen wie Universitäten (educational), "com" für Wirtschaftsunternehmen (commercial) und "org" für non-profit-Organisationen. Die Top-Level-Domains werden vom InterNIC zugeteilt, deutsche Second-Level-Domains vom NIC-DE (Denic). InterNIC und NIC-DE sind auch zuständig für die Vergabe der IP-Adressen. Domain-Namen wie IP-Adressen können dabei nicht vom Endverbraucher direkt bei NIC-DE beantragt werden. Dieses ist nur über eigens dafür zugelassene Internet Service Provider möglich.]

Allen Staaten mit Ausnahme der USA sind Länderkennungen zugeordnet, beispielsweise "de" für Deutschland. Die Top-Level-Domain gibt jedoch keine Auskunft darüber, in welchem Land ein unter einer Domain zu erreichender Rechner tatsächlich steht. Die Domain gibt unter Umständen noch nicht einmal Auskunft darüber, auf welchem Rechner sich das Angebot befindet. [Beispielsweise kann man die gesamte Webseite als einen Frame definieren und innerhalb dieses Frames auf eine andere Webseite forwarden. In diesem Fall erscheint ein Angebot unter einem "falschen" Domain-Namen. Nur mit erheblichem Aufwand lässt sich dann die "richtige" IP-Nummer des Angebotes ermitteln.]

Ist die Adresse eines Rechners nun bekannt, so wird eine Information von einem Rechner A zum Zielrechner Z wie folgt gesendet:

Sofern A direkt mit Z verbunden ist, sendet A die Nachricht an Z. Andernfalls sendet er die Nachricht zu dem Rechner, der Z am nächsten ist. Damit ist nicht der geographisch nächste Computer gemeint, sondern der Rechner, der die Nachricht am schnellsten an Z weitersenden kann. Welcher Rechner das ist, kann sich - je nach Auslastung des Netzes - von Sekunde zu Sekunde ändern. [Die Route eines Paketes lässt sich mittels des DOS-Befehls tracert <IP-Nummer> nachzeichnen.]

Die Kontrolle wird noch dadurch erschwert, dass die Daten in kleine Pakete aufgeteilt werden, die erst bei dem Empfänger zur ursprünglichen Nachricht zusammengesetzt werden. Gehen Pakete verloren, so werden sie automatisch erneut angefordert.

Der Weg und der Inhalt der Daten lassen sich also so gut wie nicht nachvollziehen. [Ausführlich hierzu Schmitz, Die steuerliche Betriebsprüfung 1998, S. 197 (200f.).] Eine Kontrolle, wann welcher Rechner von welchem Rechner welche Daten empfangen hat, ist grundsätzlich unmöglich.

Das Netz ist - was den Fluss der Daten betrifft - einer Kontrolle entzogen.

1.3

Richten wir nun unser Augenmerk auf den Inhalt der Daten. Das Informationsangebot lässt sich in sogenannte "Dienste" unterteilen.

Die meistgebrauchten Dienste sind die elektronische Post (e-Mail, smt-Protokoll) und das Bereitstellen von Internet-Seiten (WWW, htt-Protokoll), die mit einem speziellen Programm (Browser) nach Angabe der Adresse der Seite betrachtet werden können. Daneben gibt es - unter anderem - auch die Möglichkeiten, sich Daten von einem Rechner auf den eigenen Rechner zu kopieren ("herunterzuladen", eng. "download", meistens wird das ft-Protokoll verwendet) oder mit anderen Internet-Nutzern über Tastatur ("Chat") zu kommunizieren. Die Aufzählung ist nicht abschließend, und die Anzahl der angebotenen Dienste wächst täglich.

Mit Hilfe dieser Dienste eröffnet das Internet neue Vertriebskanäle. [Korf/Sovinz, CR 1999, S. 314 (314); das Netz ist insofern eher als Grundlage für den Vertrieb bestehender Produkte und nicht als Grundlage für neue Produkte anzusehen.] Verschiedenste Angebote sind denkbar: [Hickey, e-commerce, S. 16 mit zahlreichen weiteren Beispielen.]

  • Vertrieb körperlicher und digitaler Waren: Gehandelt werden kann nicht nur mit Software, sondern mit allen Waren und Dienstleistungen, die sich digitalisieren lassen, wie beispielsweise Musikstücken, Bildern, Videos und Spielfilmen, [Die US-Firma Miramax (http:// www.miramax.com) will beispielsweise 12 Spielfilme zum Kauf per Download anbieten.] Fernsehen, Radio, Telefonie oder auch klassischen Zeitschriften- und Buchinhalten. [Schmitz, Die steuerliche Betriebsprüfung 1998, S. 197 (201); Fischer, Grundfragen, S. 3; Pinkernell, http:// www.uni-koeln.de/ jur-fak/inststeu/software.htm, II.1.d); Portner, IStR 1999, 553, (553).; Wichmann, Aufteilung, S. 74; Vellen, Umsatzbesteuerung, S. 84; Bernütz, IStR 1997, S. 353 (354).] Auch ist der Verkauf von Tickets, die auf dem heimischen Rechner ausgedruckt werden, möglich. [Bei den Olympischen Spielen 1996 wurden Tickets im Wert von 130 Mio. $ über das Internet verkauft, vgl. Borraccia, Intertax Volume 25, Issue 4 (1997), S. 130 (130); die Deutsche Bundesbahn AG bietet schon Fahrkarten über das Internet an, vgl. http:// www.bahn.de.]
  • Werbung [Eden, Taxation, S. 163.]: Eine Webseite kann einen Papierkatalog ersetzen; Preise und Waren können so immer auf dem neuesten Stand angeboten werden. Aufgrund der Vielzahl der Werbeangebote wird das Internet schon als "Werbemaschine" bezeichnet. Dieses Jahr erreicht die Werbung im Internet voraussichtlich einen Umsatz von einer Mrd. $ US.
  • Auktionen, Wetten, Spiele.
  • Recherche (Lexis/Nexis, Juris).
  • Beratungen, Banking und Schulungen.

Ein Rechner, der einen oder mehrere Services anbietet, wird als "Server" bezeichnet. [Scholz, NWB Fach 2, S. 7181 (7182) definiert "Server" fälschlicherweise als ein Computerprogramm.] Der "Anbieter" ist die hinter dem Service stehende Person. Der "Webserver" ist der Rechner, der an das Internet angeschlossen ist. Bei größeren Webshops sind an diesen Server andere Server angeschlossen, die die eingehenden Anfragen bearbeiten.

 

Um Daten zu senden und zu empfangen, also um die Dienste des Internets nutzen bzw. selbst anbieten zu können, muss der eigene Rechner Teil des Internets werden.

Dieses geschieht über die Verbindung ("Einwahl") mit einem bereits an das Internet angeschlossenen Rechner ("Einwahlknoten"), der dem eigenen Rechner eine eigene IP-Nummer zuweist.

Zwei Möglichkeiten der Verbindung zum Internet sind denkbar: temporär oder dauerhaft.

Die überwiegende Anzahl der Nutzer wählt sich temporär über das Telefon ein. Der Einwahlknoten [Hinter dem Begriff des "Einwahlknotens" verbirgt sich üblicherweise ein angemieteter, klimatisierter Raum mit einer Rechneranlage, die über eine Vielzahl von DFÜ-Einheiten ans örtliche Telefonnetz und (mindestens) eine Hochgeschwindigkeitsleitung an das Internet angeschlossen ist. Die Anlage ist an sich wartungsfrei, vgl. Eden, Taxation, S. 159. Ein Personaleinsatz ist im Einzelfall aber zu überprüfen. Durch eine Vielzahl von Einwahlknoten ist jedenfalls in den USA, Deutschland und UK eine Einwahl zum Ortstarif gewährleistet. In diesem Zusammenhang wird diskutiert, ob der von einem ausländischen Provider angebotener Webzugang der Umsatzsteuer unterfällt, vgl. Zöllkau, http:// www.ecin.de/ steuern/umsatzsteuer.html. In der Regel wird aber eine Internetverbindung gerade nicht über eine ausländische Nummer aufgebaut.] wird gegen Entgelt von einem sogenannten Zugangsprovider bereitgestellt. In diesem Fall kann von dem Nutzer nur für die Zeit der Verbindung ein Service angeboten werden.

Man kann den eigenen Rechner aber auch dauerhaft über eine Standleitung an das Internet anbinden. Dies ist noch relativ teuer und wird hauptsächlich von Unternehmen, die ein eigenes Rechenzentrum bzw. eigene Server betreiben, genutzt.

In diesem Fall birgt das Anbieten von Leistungen über den eigenen Rechner steuerrechtlich grundsätzlich keine Probleme, da der Server regelmäßig in den Räumlichkeiten des Anbieters steht. Insofern lässt sich hier ein Anknüpfungspunkt im Inland für die Besteuerung bejahen.

Um Daten im Internet bereitzustellen, ohne dauerhaft eingewählt zu sein, kann man auch den Rechner einer fremden Firma, die ihren Rechner dauerhaft - regelmäßig über eine Hochgeschwindigkeitsleitung - an das Internet angeschlossen hat, nutzen. Da grundsätzlich mehrere Services von einem Rechner aus erbracht werden können, lässt sich der Rechner entsprechend von mehreren Anbietern nutzen. So können die Kosten für jeden einzelnen Anbieter erheblich verringert werden.

Diese Lösung, bei denen Nutzungsentgelte für unter 100,- DM pro Jahr durchaus real sind, wird von der überwiegenden Masse der Anbieter gewählt. Gerade ausländische Anbieter, die "vor Ort" eine Seite betreiben wollen, nutzen die Rechner solcher Firmen. [Wiater/Bosch, IStR 1998, S. 757 (759) nennen hingegen den Fall, dass eine Firma einen ihr gehörenden Server in einem anderen Land aufstellt. Das ist realitätsfern. Denn die Firma müsste neben der Anmietung eines Raumes und des Netzzuganges auch Wartungspersonal beauftragen. Das steht im keinen Verhältnis zu den geringen Kosten, die die Anmietung eines Servers verursacht.]

Eine Firma, die ihre Rechner zur Verfügung stellt, wird Contentprovider oder auch kurz "Provider" genannt.

 

2.

Im Internet werden Waren hauptsächlich über sogenannte Webshops vertrieben. [Im Zusammenhang mit dem Handel im Internet fällt häufig der Begriff "electronic commerce" (kurz ec), der teilweise synonym mit dem Begriff "Internet" verwendet wird. ec bezeichnet - vereinfacht gesagt - alle Geschäfte, die auf elektronischem Wege abgewickelt werden, also auch solche außerhalb des Internets, vgl. Vermeend, 2.1.1, http:// www.minfin.nl/ uk/taxation/internetnota/distmain.htm; zu der OECD Definition und dem Wachstum des ec siehe Inland Revenue, 1.3 - 1.8, http:// www.inlandrevenue.gov.uk/ taxagenda/ecom1.htm; Korf/Sovinz, CR 1999, S. 314 (314); vgl. auch Strunk, Einkunftsqualifizierung, S. 42. Da das Internet zunehmend alle Bereiche des elektronischen Datenverkehrs umfasst, wachsen die beiden Begriffe langsam zusammen.]

2.1

Sofern jemand auf seinem eigenen, ans Internet angeschlossen Rechner oder dem Rechner eines Providers einen Dienst anbieten will, muss er auf dem Rechner eine bestimmte Software installieren ("Webshop") [Der Begriff ist dem Aufsatz von Schmitz, Die steuerliche Betriebsprüfung 1998, S. 197 (206) entnommen. In anderen Aufsätzen finden sich Bezeichnungen wie Website, Webseite oder Server, die sich jedoch vom Begriff her nicht nur auf den Handel beziehen.].

Ein Webshop besteht regelmäßig aus einer Zusammenstellung von Webseiten und darin eingebundenen Programmen, durch die eine Leistung angeboten, verkauft und ggf. auch "geliefert" wird.

Die Einrichtung eines fertigen Webshops auf einem Server dauert keine 10 Minuten.

In der Praxis kommt es häufig vor, dass der Provider nach Vorgabe des Anbieters einen Webshop einrichtet und wartet. Die Kosten hierfür liegen zwischen 10 und 500 TDM. Daneben ist denkbar, dass auch die Abrechnungen mit den Kunden übernommen werden. [Pinkernell, StuW 1999, S. 281 (284).] Jedoch ist dies nur selten der Fall. [Eine der wenigen Ausnahmen ist beispielsweise die Fa. QuBiz, Gütersloh.]

2.2

Die Funktionsweise des Webshops soll anhand eines Beispieles erklärt werden.

Beispiel

Die Firma A, Sitz im Ausland, hat "e-Steuer", eine Software zur Berechnung der deutschen Einkommensteuer entwickelt und vertreibt diese bisher auf eine CD gebrannt per Postversand zum Nettopreis von 100,- DM. Um die Herstellungskosten zu senken und den Kunden möglichst schnell die aktuellsten Änderungen zugänglich zu machen, beschließt die A, ihre Software auch über das Internet zu vertreiben. Den hierzu notwendigen Webshop lässt sie sich von dem Provider P, Sitz in Deutschland, auf einem der Rechner des P (gelegen in Deutschland) einrichten. [Die Daten des Webshops müssen nicht notwendigerweise auf dem Server gespeichert sein, von dem der Webshop aus erreicht wird. Die Daten können genauso gut auf einem dritten Rechner bereitgehalten werden. Die Einrichtung eines einfachen Webshops ist verhältnismäßig einfach und auch für einen Laien möglich. Ebenso hätte A von P ein Zugriffsrecht auf Ps Rechner erhalten können, um den Webshop selbst einzurichten und zu warten.] Der Webshop funktioniert nach seiner Einrichtung ohne weiteres Zutun des Anbieters. [Lambooij, http:// www.lovotax.nl/ lovotax/publications/publikatie.html?doc_id=263; 5.]

Kunde K informiert sich über e-Steuer, indem er sich mit Hilfe eines speziellen Programms ("Browsers") die Seiten des Webshops ansieht. Nachdem er eine Demoversion, die kostenlos in dem Webshop angeboten wird, ausprobiert hat, beschließt er, die Vollversion zu kaufen. Er wählt hierzu den Menüpunkt "e-Steuer kaufen". Sodann wird ein weiteres Menü angezeigt, in dem er seinen Namen und seine Kreditkartennummer angeben muss. [Andere Zahlungsarten sind denkbar, wenn auch heute noch unüblich. Ausführlich hierzu Schmitz, Die steuerliche Betriebsprüfung 1998, S. 197 (198 f.) und Korf/Sovinz, CR 1999, S. 371 (372f.). So ist auch eine Zahlung durch Online-Bankanweisung denkbar. Auch kann dem Kunden, sofern er der D-Soft durch vorherige Geschäftsbeziehungen bekannt ist, eine Rechnung zugesandt werde. In dieser Variante, die vor allem im Bereich von Geschäften zwischen Unternehmen angewandt wird, besitzt der Kunde regelmäßig ein Passwort, mit dessen Hilfe seine Identität zweifelsfrei festgestellt werden kann. In Zukunft wird daneben auch eine Zahlung durch sogenanntes Cybergeld möglich sein. Mit verbesserten Zahlungssystemen wird auch die Zahl der geringwertigen Geschäfte gewaltig wachsen, Schmitz, Dokumentationspflichten, S. 122; Weber, Nachweisfragen, S. 139. Eine Banküberweisung über das Internet kostet derzeit noch 0,01 $ US, vgl. http:// www.why-not.com/ company/stats.htm; 08.04.2000. Am 07.04.2000 meldete die Zeitschrift Tomorrow, dass zukünftig Minibeträge über die Telefonrechnung der Deutschen Telekom abgerechnet werden können.]

Diese Daten werden von seinem Rechner an den Rechner des P übermittelt. Der Server verarbeitet in seinem Prozessor die Anfrage [In der Verarbeitung sind unter anderem der Hauptspeicher, die Festplatte und die Datenfernübertragungseinheit (DFÜ-Box) einbezogen.] und fragt bei dem Rechner des Kreditkarteninstitutes nach, ob von Ks Karte der Kaufpreis abgebucht werden kann. Ist dies der Fall, so wird K "freigeschaltet", d.h. er kann nun die Software "e-Steuer" von dem Rechner von P oder einem dritten Rechner herunterladen. Gleichzeitig wird von seinem Konto der genannte Betrag abgebucht.

Der Hauptteil der Arbeit des Servers findet in dem Prozessor statt, wobei der Server für die gesamte Bearbeitung des Verkaufes noch nicht einmal eine Sekunde aufwenden muss. Der Speicher und die DFÜ-Box des Servers spielen insofern nur eine untergeordnete Rolle.

2.3

Sofern ein Webshop sehr häufig von Kunden besucht wird, kann es vorkommen, dass aufgrund der Masse der Anfragen die Bearbeitung einer einzelnen Anfrage relativ lang dauert. Zwar spielen Entfernungen im Internet grundsätzlich keine Rolle, jedoch kann die Übertragung von sehr große Datenmengen über weite Strecken bei Übertragungsengpässen unverhältnismäßig viel Zeit in Anspruch nehmen. Um das zu vermeiden, können die Anfragen an andere Server - ohne dass der Kunde dieses bemerkt - umgeleitet werden. Diese Server ("Mirror-Server") enthalten eine Kopie des Webshops und bearbeiten die Anfragen autonom. [Beispielsweise betreibt die Firma Microsoft weltweit zahlreiche Mirror-Server, auf denen identische Daten wie auf dem Hauptserver in den USA angeboten werden.]

3.

Das Internet ist ein weltweites, dezentralisiertes Rechnernetzwerk, in dem verschiedenste Leistungen auf speziellen Rechnern (Servern) angeboten werden können. Es ermöglicht eine weltweite, preisgünstige Anbieten von elektronischen Informationen. Ein Webshop, über den eine solche Leistungen angeboten werden kann, kann schnell und grundsätzlich auch kostengünstig auf einem Server eingerichtet werden. Der Webshop/Server wickelt selbstständig den Verkauf ab, wobei eine Kontrolle des Handels anhand der im Netz gesendeten Daten nahezu unmöglich ist.



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